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Gemeinde Kaiserstuhl

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Der Pferdeschinder am Tägerbach

 

Der Weg zwischen Bad Zurzach und Kaiserstuhl war in alter Zeit eine Plage für alle Pferde und ein Schrecken für die Fuhrleute. Keiner vergas die holprige, steile Strecke am Tägerbach. Besonders fürchtete man jene Stelle oberhalb des Dorfes, wo der Teufel hinter einem Nussbaum stand, um alle Flüche der Fuhrleute in seinen Kalender einzutragen. Einst sass der Stallknecht des Rümiker Wirtshauses Ruedi aus Rietheim blutig und zerschunden vor der Stalltüre. Sein Frachtwagen hatte schon Halt gemacht. Er aber stemmte immer noch mit aller Kraft die Schulter ins hintere Wagenrad und schob mit übermenschlicher Kraft, als müsse er die Fuhre weiterstossen. Weil er ganz verwirrt und wie erstarrt war, zog ihn der Knecht in die Wirtsstube. An der Wärme kam Ruedi langsam zu sich. Schliesslich begann der Rietheimer Fuhrmann zu erzählen.

«Heute morgen hielt ich mich zu lange in Zurzach auf und lud zuviel auf den Wagen. Aber statt die Pferde besser zu füttern, dachte ich, die Gäule zögen besser bergauf, wenn sie die Bäuche nicht zu voll hätten. Auf dem Weg kehrte ich noch ein und gab den Pferden nur für vier Batzen Heu. Obwohl der Stallknecht die Tiere mehrmals ausspannen wollte, liess ich es nicht zu und dachte nur an mein Wohl. Doch bei der Weiterfahrt wollten die Pferde nicht mehr recht anziehen, und am Tägerbach standen sie schliesslich ganz still. Alles Zerren am Zaum, alles Peitschen und Anschreien half nichts. Sogar brennende Schwämme legte ich ihnen unter die Schwänze und fluchte fürchterlich dazu. Beim schlimmsten Fluch erschien plötzlich eine Gestalt hinter einem Baum, riss mir die Peitsche aus der Hand und drückte mich in die Speichen des Hinterrades. Am Rand musste ich mitstossen, bis mir der Schweiss aus allen Poren brach. Ging es nicht gleichmässig voran, hagelte es Peitschenhiebe.» Während Ruedi erzählte, zitterte er immer noch vor Angst und Erschöpfung.

Am anderen Morgen befahl er dem Knecht, die Pferde reichlich zu füttern. Einen Teil der Fuhre lud er selber ab, und für die Tiere nahm er ein Extramass Hafer mit auf den Weg. Wie Prinzessinnen führte er sie aus dem Stall. Als sie anziehen sollten, sagte er ganz sanft: «Hü, in Gottes Namen.»

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